Empfehlungen schlagen Kampagnen: Was die neue Generation von B2B-Entscheidern überzeugt
Eine aktuelle Befragung deutscher Marketingverantwortlicher zeichnet ein deutliches Bild: Bei jüngeren B2B-Entscheidern wirken Empfehlungen, Experten-Content und KI-Sichtbarkeit stärker als klassische Werbekampagnen. Wir haben die Zahlen eingeordnet – und mit weiteren Studien aus 2026 abgeglichen.

Warum das gerade jetzt relevant ist
Die Zusammensetzung der Einkaufsgremien verschiebt sich spürbar. Millennials und Gen Z stellen inzwischen rund 71 Prozent der B2B-Einkäufer, und selbst bei Deals über einer Million Euro gehören zwei von drei Beteiligten zu diesen beiden Generationen (Forrester, 2026). Fast 90 Prozent der B2B-Marketer sagen entsprechend, dass ihr künftiges Wachstum davon abhängt, genau diese Entscheider zu erreichen (LinkedIn, 2026).
Diese Generation recherchiert anders. B2B-Käufer durchlaufen heute rund 70 Prozent ihrer Kaufreise, bevor sie den Vertrieb kontaktieren – ein großer Teil davon in Kanälen, die klassische Kampagnen gar nicht erreichen: private Chats, Communities, Peer-Gespräche, KI-Chatbots. Genau hier setzen die neuen Zahlen an.
Die Kernbefunde: Vertrauen vor Reichweite
Für die zugrunde liegende Befragung von LinkedIn und Censuswide wurden im Spätsommer 2026 rund 585 Marketing-Entscheider in Deutschland befragt. Auf die Frage, was die Markenbewertung der Gen Z am stärksten beeinflusst, ergibt sich eine klare Rangfolge:
Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Empfehlungen, Experten-Content, Kundenreferenzen und Hinweise von Kolleginnen und Kollegen rangieren allesamt vor der klassischen Awareness-Kampagne. Werbung wird also nicht wirkungslos – aber sie ist im Vertrauensaufbau nicht mehr der erste Hebel.
Das deckt sich mit dem breiteren Marktbild: 84 Prozent der B2B-Käufer ziehen Peer-Empfehlungen und Bewertungen früh in den Entscheidungsprozess ein. Ein Großteil dieser Berührungspunkte findet in nicht messbaren Kanälen statt – dem sogenannten Dark Funnel, der 2026 auf rund 73 bis 81 Prozent der B2B-Kaufreise geschätzt wird (6sense; Dreamdata).
Welche Formate wirken – und wo im Funnel
Bei der Frage nach dem wirksamsten Format für das Engagement der Gen Z liegt Kurzvideo vorn, dicht gefolgt von Personen-Content:
| Format | Anteil |
|---|---|
| Kurze Videoformate | 47 % |
| Content von Mitarbeitenden, Influencern & Fachexperten | 44 % |
| Daten & Research | 35 % |
| Kundengeschichten | 28 % |
| Live-Formate | 28 % |
Ebenso aufschlussreich ist der Zeitpunkt der Wirkung. Experten-Content entfaltet seinen größten Effekt nicht in der Awareness-Phase (16 Prozent), sondern in der Abwägungsphase (34 Prozent). Und 55 Prozent der Befragten halten Experten-Inhalte für wirksamer als klassische Kampagnen, um Interessenten von der Aufmerksamkeit in die Abwägung zu bewegen. Content ist hier also kein reiner Reichweiten‑, sondern ein Entscheidungshebel.
Wer auf Kurzvideo und Personen-Content setzt, sollte allerdings Plattform und Machart zusammendenken – Format allein genügt nicht. Wie sich Video heute effizient produzieren lässt, ohne in Beliebigkeit zu kippen, haben wir in KI-Video in der Praxis: Ergänzen statt ersetzen↑ beschrieben. Und was gute, konvertierende Assets im bezahlten Umfeld ausmacht, zeigt Was gute Paid Social Assets im B2B ausmacht↑.
Wohin die Budgets 2026 wandern
Die geplanten Investitionen der kommenden zwölf Monate bestätigen die Verschiebung. Auffällig: KI-gestützte Auffindbarkeit steht an der Spitze – noch vor Paid Media und klassischem SEO.
| Geplante Investition (nächste 12 Monate) | Anteil |
|---|---|
| KI-gestützte Auffindbarkeit (Sichtbarkeit in KI-Antworten) | 47 % |
| Content von Mitarbeitenden, Influencern & Thought Leadern | 45 % |
| Community-Engagement | 39 % |
| Kundenreferenzprogramme | 38 % |
| Paid Media | 35 % |
| Klassische Suchmaschinenoptimierung | 34 % |
Dass KI-Auffindbarkeit die Liste anführt, ist kein Zufall. Laut Forresters Buyers‘-Journey-Erhebung 2026 (rund 18.000 befragte Einkäufer) setzten 94 Prozent irgendwann im letzten Kaufprozess generative KI ein. Gleichzeitig zeigen Analysen aus 2026, dass rund die Hälfte der B2B-Tech-Marken in den Antworten von ChatGPT, Perplexity und Gemini gar nicht auftaucht. Wer dort unsichtbar ist, fällt aus der Recherche heraus, bevor die erste Kampagne überhaupt greift.
Kurz gesagt: Sichtbarkeit verlagert sich von „Wer wird gesehen?“ zu „Wer wird empfohlen – von Menschen und von Maschinen?“. Beides lässt sich beeinflussen, aber nicht mit den Werkzeugen der reinen Awareness-Kampagne.
Was das für die Praxis bedeutet
1. KI-Sichtbarkeit ist die neue Grundvoraussetzung
Wenn fast alle Entscheider KI in die Recherche einbeziehen, entscheidet die Präsenz in KI-Antworten über die Aufnahme in die engere Auswahl. Das ist keine Spielerei mehr, sondern Pflichtprogramm – und ein eigenes Handwerk neben der klassischen SEO. Die Grundlagen dazu haben wir in Generative Engine Optimization: Ergänzung zur SEO↑ und – speziell für den Mittelstand – in GEO-Sichtbarkeit im DACH-Mittelstand↑ beschrieben. Wer verstehen will, warum eine belastbare Faktenbasis dafür zählt, findet in Grounding Pages für KI↑ den nötigen Unterbau, und wie sich der Effekt überhaupt messen lässt, zeigt KI-Traffic messen↑.
2. Empfehlungen entstehen dort, wo Marken oft nicht messen
Peer-Empfehlungen laufen über Communities, Fachportale und private Kanäle. KI-Systeme werten genau diese externen Signale aus – was auf Plattformen wie Reddit über eine Marke gesagt wird, wird zunehmend Teil der KI-Antwort. Warum sich diese Kanäle von der Diskussions- zur Antwortquelle wandeln, ordnet Reddit richtet sich neu aus↑ ein.
3. Personen schlagen Logos
Content von Mitarbeitenden und Fachexperten wirkt stärker als Markenbotschaften – besonders in der Abwägungsphase. Das lässt sich systematisch aufbauen, statt es dem Zufall zu überlassen. Wie sich Expertise auf LinkedIn gezielt verstärken lässt, zeigen Thought Leader Ads auf LinkedIn↑ und die 5 besten Strategien und Formate für B2B-Marketing auf LinkedIn↑.
4. Paid Media bleibt – als Verstärker, nicht als Ersatz
35 Prozent planen weiterhin in Paid Media zu investieren, und das zu Recht: Bezahlte Reichweite bringt Experten-Content, Kundenstimmen und Video erst in die richtige Zielgruppe. Der Unterschied liegt in der Rolle – Paid verstärkt Vertrauensinhalte, statt sie zu ersetzen.
Das Fazit
Die Daten aus 2026 erzählen keine Geschichte vom „Ende der Werbung“, sondern von einer neuen Reihenfolge. Zuerst kommt Vertrauen: Empfehlungen, Experten-Content und die Auffindbarkeit in KI-Antworten. Danach folgt Verstärkung: Paid Media, das genau diese Inhalte in die richtigen Gremien trägt. Für B2B-Marketer heißt das, das Budget entlang dieser Logik neu zu sortieren – weg vom Kanal-Reflex, hin zur Frage, wo in der Kaufreise Vertrauen wirklich entsteht.
Unsere Einordnung
Wir sehen in der Praxis genau diese Verschiebung – vor allem bei der KI-Auffindbarkeit, die viele Mittelständler noch unterschätzen. Wenn Sie wissen möchten, wie sichtbar Ihr Unternehmen in KI-Antworten ist und wie Empfehlungen, Experten-Content und Paid Media bei Ihnen zusammenspielen, sprechen Sie uns gern an.
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